Signatur für Windows 0-day EPATHOBJ Exploit

Am gestrigen Tage wurde eine 0-day Schwachstelle am Microsoft Windows Betriebssystem bekannt, die für sich allein betrachtet bereits als schwerwiegend betrachtet wird, in Zusammenhang mit den uns bekannten Angreifer-Werkzeugen wie dem Windows Credential Editor allerdings als kritisch für jede größere Microsoft Windows Domänen-Infrastruktur angesehen werden muss.

Die im heise Artikel „Google-Forscher veröffentlicht Zero-Day-Exploit für Windows“ erwähnte Schwachstelle ermöglicht es jedem Benutzer einer Windows Plattform, sich höchste Rechte auf dem System zu beschaffen. Durch Einsatz des Exploits kann sich selbst ein Gast Benutzer zu dem Benutzer „LOCAL_SYSTEM“ eskalieren. Die Anwendung es Exploit ist simple und kann von Personen ohne Fachwissen durchgeführt werden.
Alle Windows Versionen und Architekturen sind betroffen.
Der Schadcode wird von kaum einem Virenscanner erkannt.

0day exploit EPATHOBJ

Ein einfacher Kommandozeilenaufruf erlaubt es, ein Program als LOCAL_SYSTEM zu starten

Folgende Szenarien sind durch das Exploit möglich:

  • Benutzer von Windows Client können sich lokale, administrative Rechte verschaffen
  • Benutzer auf Servern können sich dort administrative Rechte verschaffen
  • Benutzer auf Citrix Farmen können sich dort administrative Rechte verschaffen
  • Malware verwendet das Verfahren, um sich bei Ausführung im eingeschränkten Benutzerkontext lokale Systemrechte zu verschaffen und das System tiefgreifend zu verändern
  • Hacker (z.B. in APT Umfeldern) erhalten so auf Systemen das Recht, auf die gespeicherten LSA Sitzungen von Administratoren zuzugreifen (s.h. Windows Credential Editor Präsentation – Post-Exploitation)

Zusammenspiel mit Windows Credential Editor

Im Zusammenspiel mit dem „Windows Credential Editor“ (WCE) wirkt diese Schwachstelle besonders verheerend. Mit dem Windows Credential Editor ist es möglich, LSA Sitzungstokens (NTML Hashes) und Klartextpassworte aus dem Speicher eines Systems zu dumpen. Diese Sitzungsinformationen bleiben teilweise Tage und Wochen im Speicher eines Systems zurück. Es reicht, dass der Angreifer Zugriff auf einen Mitgliedsserver erhält, um NTLM Hashes von Domänenadministratoren aus dem Speicher zu extrahieren.
Übliche Methoden zum Schutz vor diesen Attacken, wie die Wahl eines komplexen Passwortes, welches aus dem Hash nicht zurück berechnet werden kann, greifen nicht. Der WCE stellt Funktionen bereit, die einen einfachen Pass-the-Hash Angriff umsetzen. Dazu muss das Passwort nicht geknackt, sondern nur der Hash weitergereicht werden. In unserem Kundenumfeld setzen Angreifer diese Methode ein, um von Serversystemen in unbedeutenden Außenstandorten, Kommandozeilen mit Rechten eines Domänen-Administrators auf den Domänen-Controllern zu öffnen.
Diese Präsentation beschreibt die Funktionsweise des WCE im Detail.

Zur Ausführung des WCE sind allerdings administrative Rechte erforderlich, über die die Angreifer nicht immer verfügen. Mit dem neuen Windows Exploit erhalten sie diese aber einfach und schnell. Eine gesamte Windows Domäne fällt so in kürzester Zeit.

Gegenmaßnahmen

Wir haben auf Grund der Dinglichkeit eine Signatur für das von Tavis Ormandy veröffentlichte Windows Zero-Day-Exploit erzeugt. Andere Methoden zur Erkennung werden derzeit evaluiert. Wir werden Sie hier im Blog informieren, wenn wir andere Wege zur Erkennung (z.B. Windows Eventlogging) finden konnten.

Sie können ihre Systeme mit Hilfe von YARA manuell scannen.

rule Windows_0day_Exploit_1 {
meta: description = "Windows 0day EPATHOBJ local ring0 Exploit"
strings:
$a = "PATHRECORD" fullword
$b = "HRGN" fullword
$c = "FlattenPath" fullword
$d = "EndPath" fullword
$e = "PolyDraw" fullword
condition:
all of them
}

Nachdem Sie „yara-1.7-winXX.zip“ heruntergeladen und entpackt haben, können sie über die Kommandozeile den Scan mit der oben angegeben Signatur starten.

Diese Signatur ist auch Teil unseres Incident Response Scanners THOR, zu dem Sie hier mehr Informationen finden können.

Einen Schutz auf kritischen Systemen bietet eine Lösung wie „AppSense Application Manager„, zu dem wir auch Support anbieten. Er setzt das „Trusted Ownership“ Modell um, welches auf Windows Systemen sicherstellt, dass nur diejenigen Executables ausgeführt werden dürfen, die von einer vertrauenswürdigen Gruppe auf das System gebracht wurden (z.B. Administratoren). So können z.B. die Benutzer von Citrix Systemen weiterhin ihre dort abgelegten Anwendungen verwenden, aber keine eigenen, eingebrachten Executables zur Ausführung bringen.

Exploitcode

Der Exploitcode wurde von uns kompiliert und untersucht.
Eine von uns veranlasste Analyse des Exploitcodes durch Malwr.com finden Sie hier.
(die kompilierte Executable kann von dieser Seite heruntergeladen werden – wir übernehmen keine Haftung für Schäden, die durch die Ausführung entstehen)

Update

Wir konnten den bereitgestellten Code nur auf 32bit Betriebssystem Versionen zum Laufen bringen. Es steht jedoch außer Frage, dass die Schwachstelle nach Anpassungen auch auf 64bit Systemen ausnutzbar sein muss.
Interessant ist auch, das Tavis Ormandy den lauffähigen Exploitcode von einem chinesischen Studenten bereitgestellt bekommen hat.

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About Florian Roth

Senior IT Security Engineer: THOR APT Scanner, Security Monitoring and SIEM, Web Application Audits, Advanced Persistent Threats (APT), Malware Analysis, Incident Response, Intrusion Detection, Perl / Python / .NET Programming, Data Visualization

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